Scheitern als Chance: Aus Niederlagen lernen.

Scheitern als Chance: Aus Niederlagen lernen.

16.02.12

Mit diesem ungewöhnlichen Titel ging die MBA-Vortragsreihe am 19. Januar 2012 im Steinbeis-Haus Berlin-Friedrichshain an den Start.

Im Jahr 2010 waren 32.100 Unternehmen in Deutschland zahlungsunfähig. Allen voran Berlin mit 120 von insgesamt 10.000 insolventen Geschäftsideen. Im Vergleich zum letzten Jahr bedeutet dies einem Anstieg von 6,7 Prozent. Scheitern ist ein in unserer Gesellschaft offiziell ausgeklammertes und doch allseits bestehendes Thema. Warum es nicht immer das Ende bedeutet und welche Wege es gibt damit umzugehen, konnten die zwei sehr unterschiedlichen Referenten des Abends in spannenden Vorträgen aufdecken.

 

Nach einer Begrüßung durch die Veranstalter der MBA-Vortragsreihe, Stephan Lüdtke (SIBE-Alumnus) und Andreas Köngeter (MLP Berlin Geschäftsstelle "Die Hackeschen Höfe", Sponsor), wurde das Wort an den ersten Referenten, Herrn Dr. Roland Hoffmann-Theinert,  gegeben. Der anschaulich und überzeugend berichtete wie er und seine Kollegen der Sozietät Rechtsanwalt & Partner Görg die Karstadt Warenhaus GmbH durch die Insolvenz begleiteten. Erst durch den Fall des Konzerns war es möglich, diesem eine neue Chance zu geben: Schon kurze Zeit nach der Insolvenz konnte Karstadt seinen Gewinn deutlich steigern. Jedoch konnten bei Weitem nicht alle Bereiche des Unternehmens gerettet werden: So musste beispielsweise die Marke Quelle an das Hamburger Versandhaus Otto verkauft und auch einige, weniger produktive Filialen der Karstadt-Kette geschlossen werden. Wie aber konnte es überhaupt so weit kommen? Als Hauptgründe für die Pleite nennt Herr Dr. Hoffmann-Theinert die wirtschaftliche Schieflage sowie das desorientierte Management, welches sich vor allem durch Selbstüberschätzung, Motivations-, Strategielosigkeit sowie Handlungsunfähigkeit auszeichnete und so für verunsicherte Mitarbeiter sorgte. Als konkrete Erfolgsfaktoren für den Umbruch stellt der Referent eine Fokussierung des operativen Geschäfts auf Ertragspotentiale, die Abkehr vom Umsatzdenken, klare Führungsstrukturen sowie die Motivation der Mitarbeiter heraus. 

 

Aus einer verstärkt persönlichen und subjektiven Perspektive blickt die zweite Referentin des Abends, Frau Manuela Haan, auf das Phänomen Insolvenz. Als Leiterin der Anonymen Insolvenzler Berlin beschäftigt sie sich täglich mit Einzelschicksalen und bietet ratlosen Zahlungsunfähigen ihre Hilfe an. Eindrucksvoll schildert sie konkrete Beispiele und zeigt die emotionalen Folgen von privater wie beruflicher Zahlungsunfähigkeit auf, die oftmals mit gesellschaftlicher Sanktionierung, Statusverlust sowie Schamgefühlen einhergehen.

 

Im Anschluss an die spannenden Vorträge hatten die Gäste Gelegenheit bei einem Sektempfang in der Lobby des Steinbeis-Hauses sich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und mit den Referenten in den Dialog zu treten. Die nächste Veranstaltung findet am 5. April diesen Jahres statt.