»Eine gute Führungskraft fühlt sich in einer Vorbild-Rolle wohl«
Im Gespräch mit Jens Poppe.
SIBE: Lieber Herr Poppe, Sie sind heute Human Resources Director bei der IBA Dosimetry GmbH und blicken auf eine erfolgreiche Karriere zurück. Welche Faktoren, glauben Sie, waren bisher für Ihren Erfolg wichtig?
J. Poppe: Erfolgsfaktoren für die Karriereentwicklung sehe ich im Zusammenspiel verschiedener Kompetenzen. Die Basis ist natürlich eine solide fachliche Kompetenz – also aktuelles Wissen über den eigenen Tätigkeitsbereich der über die Aus- und Weiterbildung und Learning-on-the-job erreicht werden kann. Wichtig ist hier der Wille nicht auf seinem Wissenstand stehenzubleiben, sondern neugierig zu bleiben und stets neue Erkenntnisse zu sammeln und Geschehnisse und Entwicklungen zu hinterfragen. Gerade als Berufsanfänger war es wichtig tiefes Expertenwissen in mindestens einem Bereich zu erlangen und gleichzeitig eine breite Wissensbasis angrenzender Themen zu haben. Sichtbar wird die fachliche Kompetenz zuletzt an der Ausbildung oder Zertifikaten, aber auch an der Art und Weise wie sehr Kollegen den eigenen Rat zu schätzen wissen. Die zweite wichtige Kompetenz ist die Methodik – also Werkzeuge mit denen man das Fachwissen in die Tat umsetzt. Diese Werkzeuge sind z.B. Projektmanagement, Analysetechniken usw. Eine Auge für das »big picture« und eine strategische Herangehensweise ist bei diesen Werkzeugen stets hilfreich. Zuletzt ist natürlich auch die soziale Kompetenz ein wichtiger Erfolgsfaktor. Hierzu zähle ich die Fähigkeit ein Netzwerk aufzubauen, eine klare und verbindliche Kommunikation und eine gewisse Empathie gegenüber seinen Kollegen und Vorgesetzten. Diese drei Komponenten sind für mich der Schlüssel für eine erfolgreiche Karriere.
SIBE: Warum haben Sie sich als diplomierter Betriebswirt für einen MBA an der SIBE der Steinbeis-Hochschule entschieden?
J. Poppe: Nach meinem Abschluss als Dipl. Betriebswirt (BA) habe ich mich noch nicht fertig ausgebildet gefühlt. Zudem schien mir ein höherer Abschluss eine bessere Basis für den beruflichen Erfolg zu sein. Als ehemaliger BA-Student war mir das Konzept der Verzahnung von Theorie und Praxis gut bekannt und ich schätzte die (größtenteils) finanzielle Unabhängigkeit während des Studiums. Die MBA-Zeit war auch eine gute Möglichkeit sich noch als Berufsanfänger/Teilzeitstudent im professionellen Umfeld eines Unternehmens selbst »auszuprobieren« ohne gleich als Absolvent ohne größere Arbeitserfahrung ins kalte Wasser geworfen zu werden. Rückblickend war es eine gute Entscheidung.
SIBE: Können Sie in Ihrem Job auf Inhalte Ihres MBA-Studium zurückgreifen?
J. Poppe: Auf jeden Fall! Gerade in der methodischen Kompetenz profitiere ich immer noch von den verschiedenen Managementtools aus dem MBA-Studium. Projektmanagement, Portfolioanalysen, strategische Herangehensweisen gehören auch für einen Personalleiter zum Alltag.
SIBE: Bei welchem Unternehmen waren Sie während Ihres MBA-Studiums? Welches Projekt haben Sie realisiert?
J. Poppe: Mein projektgebendes Unternehmen war die IBM Deutschland. Hier war ich im Rahmen meiner Tätigkeit verantwortlich für Personalmarketing und Recruitmentprojekte. Meine Master-Thesis handelte von der Erweiterung der Recruitmentinstrumente der IBM im »War for Talent«. Hier hatte ich die Möglichkeit auch unkonventionelle Vorschläge umzusetzen: So konnte ich z.B. meinen Vorschlag umsetzen ein Recruitmentcenter in der virtuellen Welt von Second Life zu erschaffen. Online-Gaming meets Recruitment 2.0 – das hat wirklich Spaß gemacht. Nach Abschluss des Studiums wurde ich von der IBM übernommen und entwickelte mich dann zum HR Business Partner in eine Generalistenrolle weiter.
SIBE: Was hat Ihnen am Studium besonders viel Spaß gemacht?
J. Poppe: Ich erinnere mich sehr gerne an das Zusammensein mit meinen Kommilitonen bei Seminaren u.a. in Berlin oder der Auslandsstudienreise in Brasilien. Das waren stets lehrreiche aber auch unterhaltsame Tage. Auch heute noch stehe ich mit einigen Kommilitonen in Kontakt. Auf der anderen Seite erinnere ich mich aber auch an die hohe Doppelbelastung durch Studium und Job.
SIBE: Was sollten Ihrer Meinung nach moderne Führungskräfte aus dem Studium mitnehmen, um gut auf ihre Aufgaben vorbereitet zu sein?
J. Poppe: Neben fachlichen und methodischen Kompetenzen besonders Lebenserfahrung. Viele Absolventen kommen oft mit überzogenen Ansprüchen direkt aus dem Studium und wollen Manager werden. Zu einer guten Führungskraft gehört Erfahrung, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Einem Absolventen Mitte 20 gleich eine ganze Abteilung zu geben, halte ich für nicht richtig. Zuerst sollte man als Experte sein Umfeld verstehen lernen und das Vertrauen der Organisation gewinnen. Danach hilft das Auge für das große Ganze, also die strategische Vorgehensweise bei der Lösung von Problemen. Zudem halte ich es für gut sich in manchen Situationen eine gewissen »studentische Gelassenheit« zu bewahren – sich also manchmal selbst nicht zu ernst zu nehmen. Das kann bei großen Anforderungen an sich selbst und von der Organisation helfen einen kühlen Kopf zu bewahren.
SIBE: Was macht für Sie persönlich eine gute Führungskraft aus?
J. Poppe: Mit dieser Frage kann man ganze Industrien beschäftigen J Meine Meinung – in a nutshell: Die richtigen Entscheidungen auf die richtige Art und Weise fällen. Dafür braucht es Verantwortungsbewusstsein, ein gesundes Verständnis seiner Umwelt, oft ein dickes Fell und die Fähigkeit nach Rückschlägen schnell wieder auf die Beine zu kommen. Eine gute Führungskraft fühlt sich in einer Vorbild-Rolle wohl – und das sieht man ihr auch an.
SIBE: Ist Karriere planbar?
J. Poppe: Ja. Persönlich habe ich meine Karriere als BA-Student (Vertiefung Personalmanagement) gestartet und bin über Stationen im Recruitment und Personalmarketing und HR Business Partner zum HR Director geworden. Diese Position war stets ein Ziel welches ich angestrebt habe. Generell halte ich die Entwicklung vom Experten über den Generalisten zum Manager für einen guten Entwicklungspfad, welcher ja von einem selbst beeinflussbar ist. Der Erfolgsfaktor ist die Eigeninitiative – wer nur auf sein Umfeld reagiert und nur auf die nächsten Karriereschritte wartet, findet sich schnell in Aufgaben wieder die ihn nicht ans Ziel bringen.
SIBE: Was würden Sie heutigen Berufseinsteigern mit auf den Weg geben?
J. Poppe: Ich würde sagen:
- Seid selbstreflektiert und entwickelt eure drei Kompetenzbereiche stetig weiter.
- Seid offen für Veränderungen und Wandel. Wer in seiner Komfort-Zone bleibt, hört auf sich zu entwickeln.
- Sorgt für Ausgleich. Eine gute Work-Life Balance ist eine gute Basis für langfristigen beruflichen Erfolg.
Vielen herzlichen Dank für das angenehme Gespräch!

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Sandra Flint, M.A.
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