„Studium bereitet in seiner Vielseitigkeit und Praxisnähe gut auf den Arbeitsalltag einer Führungskraft vor.“

12. Oktober 2017
Im Gespräch mit SIBE-Alumna Nora Grau - Projektgebendes Unternehmen während des Studiums: Daimler AG, Programm: MBA in General Management

Erststudium: Regionalwissenschaften Ostasien (Schwerpunkte China und Volkswirtschaftslehre)
Kurs: WO37
Abschlussjahr: 2009


Liebe Frau Grau, Sie arbeiten derzeit als „Director Talent Academy“ für einen deutschen Automobilhersteller in China. Was sind hier Ihre Aufgaben, bzw. was ist momentan Ihr wichtigstes Projekt?

Meine Kerntätigkeit ist die Leitung der Vertriebsnetzqualifizierung in China. Wobei sich das Aufgabengebiet ständig erweitert und unter anderem Themen wie Personalmarketing und Rekrutierungsunterstützung für den Handel umfasst. Zudem unterhalten wir Partnerschaften zu chinesischen Berufs- und Fachhochschulen, die wir bei der Ausbildung von qualifiziertem Fachpersonal für den Handel unterstützen.

Die für mich momentan wichtigsten Projekte im Bereich Qualifizierung sind Aufbau von Lern-, Mentoring- und Coachingkompetenzen innerhalb der Talent Academy und im Handel, Managementqualifizierung und „Lernen der Zukunft“ vor dem Hintergrund globaler Trends wie Digitalisierung und Individualisierung.

Was waren die Gründe für Ihre Entscheidung und was macht es spannend im Ausland zu arbeiten?

Im Erststudium habe ich Chinawissenschaften kombiniert mit Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln studiert. Chinaerfahrungen konnte ich dann bereits auf meiner ersten Chinareise in 1999, in meinem Stipendienjahr in Shanghai an der Fudan Universität 2001/2002 und während meiner Praktika in China sammeln. Um breiter aufgestellt zu sein und zunächst Berufserfahrung in Deutschland zu sammeln, habe ich mich nach Abschluss des Diplomstudiums für einen Berufseinstieg in Deutschland und dann das MBA Studium an der SIBE entschieden. Erst nach mehreren Berufsjahren in Headquartern deutscher Unternehmen, habe ich mich schließlich für eine Karriere im ‚Markt‘ entschlossen. Und dies war dann die klare Entscheidung für China mit der Zielsetzung zugleich meine Chinakenntnisse und -kompetenz aufzufrischen und weiter zu entwickeln.

In meinem Fall hat das Arbeiten im Ausland zwei unterschiedliche Facetten: Arbeiten in einem der wichtigsten Märkte eines deutschen Automobilherstellers und Arbeiten als Ausländer in einem völlig anderen kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Umfeld. Beide Facetten haben ihren Besonderheiten und bringen vielseitige Herausforderungen mit sich. Im ‚Markt‘ sind manche Entscheidungswege kürzer, Kunden und Wettbewerb nahbarer, Operationalisierung und Umsetzung der Fokus und somit ein hohes Maß an Flexibilität und Schnelligkeit erforderlich. Als arbeitender Ausländer in China muss man sich zunächst mit dem Lebens- und Arbeitsalltag auseinandersetzen – beides in China allmählich zu einem verschmelzend –, sich an andere Regeln und Bestimmungen halten sowie neue Kommunikationswege und -methoden zum Aufbau vertrauensvoller Partnerschaften und starker Teams erlernen.

Inwiefern profitieren Sie nach wie vor von Ihrem Masterstudium? Und wem würden Sie ein solches Studium besonders empfehlen?

Grundsätzlich ist es immer wieder hilfreich den MBA bei der Vorstellung des eigenen Werdegangs aufzuführen. So kann der Titel gerade für Nicht-BWLer nützlich sein. Jedoch nicht nur der Titel, sondern auch das Hauptmerkmal des Studiums an sich – die Verbindung von Theorie und Praxis, die ständige Übung des Transfers, ist eine sehr gute Grundlage für eine Karriere in der Wirtschaft. In meinem jetzigen Arbeitsumfeld geht es hauptsächlich um die zielgerichtete Anwendung von Wissen. Dabei kommt mir mein Bildungshintergrund zu Gute. Nicht selten kann ich zudem meine Erfahrung aus dem Studium beim Mentoring von Mitarbeitern im Hinblick auf ihre eigene Weiterbildung einsetzen.

Das Studium kann ich vor allem denjenigen empfehlen, die bisher eine theoretische Bildung bzw. Ausbildung genossen haben.

Was sollten Ihrer Meinung nach moderne Führungskräfte aus dem Studium mitnehmen, um gut auf ihre Aufgaben vorbereitet zu sein?

Das Studium bereitet in seiner Vielseitigkeit und Praxisnähe gut auf den Arbeitsalltag einer Führungskraft vor. Als Führungskraft hat man ein vielseitiges Aufgabenspektrum und sieht sich ständig mit neuen sehr praktischen Problemen konfrontiert. In diesen Fällen muss man eine gute Auffassungsgabe haben, sich schnell in die Problemstellung einarbeiten um dann eine Lösungsfindung unterstützen und Entscheidungen treffen zu können.

Zudem sind die Einblicke in andere Unternehmensbereiche und Industrien sowie deren Herausforderungen, die man gemeinsam mit Kommilitonen teilt und diskutiert, sehr wertvoll für die kreative Lösungsfindung im eigenen Umfeld.

Schließlich beschäftigt man sich im Studium mit den verschiedenen Perspektiven und Facetten von Feedback und kann somit als zukünftige moderne Führungskraft besser Feedback geben, aber auch mit Feedback von anderer Seite umgehen.

Woran erinnern Sie sich gerne, wenn Sie an Ihre Studienzeit an der SIBE zurückdenken?

Ich habe mich gerne mit unternehmensspezifischen Probleme auseinandergesetzt und diese mit kreativen Ansätzen, mittels SIBE Aufgabenstellungen, oder zusammen mit Kommilitonen im Team, gelöst. Ich glaube, dass der Prozess des Transfers meine Kreativität gefördert hat.

Besonders intensiv habe ich die Seminarreihen in Berlin – Führung und Persönlichkeit sowie Finanzierung erlebt.

Inwiefern nutzen Sie nach wie vor das Netzwerk aus dem Studium?

Ich bin noch eng mit einigen Kommilitonen befreundet. Wir tauschen uns immer wieder aus über Herausforderungen im Beruf und geben uns gegenseitig Tipps hinsichtlich unserer weiteren Entwicklung.