„Als Sozialwissenschaftler kann ich den Blickwinkel des Managements einnehmen.“

27. April 2017
Im Gespräch mit SIBE Student Jens Schumm - Projektgebendes Unternehmen während des Studiums: T-Systems International GmbH, Programm: M.Sc. in International Management

Jens Schumm studiert seit November 2015 an der SIBE im M.Sc. in International Management. Im Rahmen seines Projekts arbeitet er bei der T-Systems International GmbH in Darmstadt.

Erststudium: Sozialwissenschaften
Kurs: SMM157
Abschlussjahr: vsl. 2017


Können Sie zu Beginn kurz erzählen, in welchem Unternehmen Sie derzeit arbeiten? Wann haben Sie dort angefangen und was sind Ihre Aufgaben?

Im Oktober 2015 habe ich bei T-Systems im Bereich Telekom IT angefangen. Vor kurzem wurde dieser Bereich ausgegliedert, der jetzt Deutsche Telekom IT GmbH heißt und als eigenständige GmbH unter dem Dach der Deutschen Telekom AG agiert. Ich arbeite dort im Bereich Workplace Services. Im Bereich geht es darum, IT-Services für die rund 130.000 internen Mitarbeiter der Deutschen Telekom AG bereitzustellen und Neuerungen dafür vorzubereiten.. Ich selbst arbeite in einem internationalen Rollout-Projekt: Verschiedene Auslandsgesellschaften brauchen einen standardisierten Client für ihre Computer. Die Vorgaben werden in Deutschland entwickelt und dann international übertragen. Ich bin für die Dokumentation verantwortlich, also für das Verfassen von Betriebshandbüchern und Servicebeschreibungen. Dabei geht es auch um Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Stakeholdern, und es muss viel abgestimmt werden mit der IT-Projektkoordination.

1. Im Erststudium haben Sie Sozialwissenschaften studiert. Wie kam es, dass Sie sich mit diesem Hintergrund für ein berufsintegriertes Management-Studium an der SIBE entschieden haben?

Bei mir war das Zufall. Ich hatte nach dem Studium, das ich im März 2014 abgeschlossen habe, Schwierigkeiten eine Stelle zu finden. Vorher hatte ich in der Marktforschung gearbeitet, aber das war für mich nichts auf Dauer, und so habe ich mich dann für eine Weiterbildung im Projektmanagement entschieden. Aufgrund dieser Erfahrungen habe ich dann nach weiteren Stellen in diesem Bereich gesucht. Auf die SIBE bin ich über eine Stellenausschreibung bei der Jobbörse der Arbeitsagentur aufmerksam geworden.

Inwiefern profitiert Ihr Unternehmen davon, sich nicht für einen klassischen BWLer, sondern für Sie als Sozialwissenschaftler entschieden zu haben?

In der Stellenausschreibung wurde gar nicht gezielt nach einem Sozialwissenschaftler gesucht, sondern nach jemandem, der sich mit den Prozessen auseinandersetzt und daraus Innovationspotenziale ableitet. Ich merke, dass ich gewisse Themen anders angehe als meine vielen IT-Kollegen. Bedingt durch das Studium und meine Weiterbildungen habe ich einen ganzheitlichen Blick. Viele Kollegen haben ein großes Fachwissen, müssen aber für die Dokumentation von bestimmten Themen in die Vogelperspektive wechseln, wobei ich sie unterstütze. Für mich ist es wichtig zu verstehen, wie die Prozesse abstrahiert von der IT laufen. In einem großen Konzern ist es hilfreich, eine Sicht von außen zu haben und unvoreingenommen an gewisse Themen heranzugehen. Auch bei der Dokumentation hilft daher der Blick von außen.

Welche Berufsbilder gibt es für Geisteswissenschaftler?

Generell würde ich sagen, wenn man das sozialwissenschaftliche Studium hernimmt, dann sehe ich viele SIBE-Studenten im HR-Bereich – Manager, Entwickler, Consultants, Trainer, Coaches… alles, was einen Berührungspunkt mit der Entwicklung von Menschen hat. Generell sehe ich Sozialwissenschaftler auch im Projekt- und Prozessmanagement, weil man da einen umfassenden Blick haben muss und es wichtig ist, gut kommunizieren zu können. Denn man darf nicht den Fehler machen nur fachlich zu argumentieren, sondern man muss auch die Menschen in ein Projekt mitnehmen.

Was macht Ihnen an Ihrem Projekt besonders viel Spaß? Wo liegen Herausforderungen?

Was mir viel Spaß macht, dass wir viel im Team arbeiten und eine gute Atmosphäre herrscht. Erfüllend ist es, wenn wir Dokumente fertiggestellt haben, die einen Mehrwert für den Mitarbeiter bringen, dabei Mehrarbeit reduzieren und den Mitarbeiter entlasten. Wenn anfangs viel ad hoc gelöst werden musste und dieselben Prozesse jetzt komplett automatisch laufen, dann ist das zufriedenstellend.
Die ganze Vorarbeit an einem Dokument ist eine Herausforderung, vor allem, wenn wir fachliche Themen bearbeiten. Da muss ich viele Kollegen kontaktieren, nachfragen, ob sie mit uns mal einen ersten Entwurf besprechen können. Wir müssen klären, ob unsere und deren Vorstellungen übereinstimmen, und den Input der Fachabteilungen einarbeiten. Vor allem bei umfassenden fachlichen Themen ist das eine Herausforderung: Es gibt eine komplexe IT-Landschaft mit komplexen Prozessstrukturen, wo viel Einarbeitung nötig ist. Das sozialwissenschaftliche Studium hilft aber auch, sich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten.

Inwieweit unterstützt Sie das Studium an der SIBE bei Ihrem Projekt? Wo liegt der Mehrwert für Sie und für Ihr Unternehmen?

In meinen Augen ist das ein ganzheitlich gedachtes Management-Studium, das einen Blick über den Tellerrand ermöglicht. Das Studium gefällt mir sehr gut, weil wir Methoden an die Hand bekommen, um in der Praxis damit Probleme lösen zu können. Wir entwickeln Strategien und lernen, diese auf die alltägliche Praxis anzuwenden. In meinem sozialwissenschaftlichen Studium wurden auch schon Wirtschaftsthemen angerissen, aber das war nicht im ganzheitlichen Kontext. Durch das Studium kann ich Managemententscheidungen nachvollziehen und selber anwenden. Ich kann verstehen, wie das Management tickt und mehr den Blickwinkel des Managements einnehmen. Für ein Unternehmen ist ein SIBE-Student auch deshalb interessant, weil er durch die Kommilitonen Perspektiven von anderen Unternehmen kennenlernt. Ich nehme sehr viel mit aus den Gesprächen mit meinen Kommilitonen, was ich im Prozessmanagement besser machen kann. Ein SIBE-Student bringt dadurch frischen Wind und einen Blick von außen ins Unternehmen.

Würden Sie das Studium anderen Sozial- und Geisteswissenschaftlern empfehlen? Wenn ja, warum?

Ich würde es jedem empfehlen, der sich Managementkenntnisse aneignen und Berufserfahrung sammeln möchte. Der starke Pluspunkt ist, Berufserfahrung mit dem Double Degree zu kombinieren.

Wo sehen Sie Ihren weiteren beruflichen Werdegang?

Für mich kann ich mir in der Zukunft vorstellen, als Projektkoordinator als Bindeglied zu fungieren zwischen dem Management und denjenigen, die fachlich in dem Bereich arbeiten. Die beiden unterschiedlichen Arbeitswelten auf einen Nenner zu bringen ist eine spannende Aufgabe.