Was macht erfolgreiche Onlinestudierende aus?

16. Oktober 2018

Kritische Erfolgsfaktoren in Onlinestudiengängen - Ein Beitrag von Mihaela Elsner

Erstellt von: Nick Lange

Das Onlinestudium bietet Studierenden und Dozenten eine Vielzahl von Vorteilen. Parallel dazu stellt es alle Beteiligten aber auch vor neue Herausforderungen, die sich deutlich von denen in der traditionellen Ausbildung unterscheiden.

In erster Linie müssen mehrere technologiebezogene Bedingungen erfüllt werden, angefangen bei einem guten Computer und einer guten Internetverbindung. Darüber hinaus wurden bei der SIBE einige weitere studierendenbezogene Faktoren identifiziert, die nachweislich den Erfolg von Teilnehmern im Onlinestudium unterstützen. Mehrere wissenschaftliche Studien und Bücher zum Thema bestätigen diese Beobachtungen:

 

1. Die Einstellung zum Studium – Das „Mindset“

Eine Studie von Berenson, Boyles and Weaver (2008) hat gezeigt, dass vor allem emotionale Intelligenz, also die Fähigkeit, eigene Gefühle und die von anderen zu erkennen und mit ihnen umzugehen der wichtigste Indikator für den Erfolg im Onlinestudium ist. Darüber hinaus ist es wichtig  der Thematik „Onlinestudium“ mit einer offenen Einstellung zu begegnen. Dabei hilft es, das zu haben, was Carol Dweck als „growth mindset“ beschreibt. Der Begriff bezieht sich auf den Glauben daran, dass die eigenen Fähigkeiten nicht festgelegt sind, sondern mit Zeit(-aufwand) und harter Arbeit weiterentwickelt werden können.

Neben dem Glauben an die eigenen Fähigkeiten ist auch die Teilnahme an Diskussionen auf den Onlinelernplattformen als essentiell anzusehen. Sie sind ein guter Weg, um Ideen auszutauschen und Gemeinschaften aufzubauen. Die dort geäußerte Kritik von Kommilitonen dient als Feedback zur eigenen Weiterentwicklung. Ergänzend hierzu sind Anpassungsfähigkeit und Flexibilität in Onlinestudiengängen von hoher Wichtigkeit. Diese ermöglichen es dem Studierenden die vorhandenen Online-Ressourcen in Eigeninitiative zu nutzen, um Wissen zu erwerben und die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

 

2. Digitale Kompetenzen

Einige der notwendigen digitalen Kompetenzen erscheinen offensichtlich: die Fähigkeit, einen Computer zu benutzen oder Online-Recherchen zu betreiben. Hier sollte mit der digitalen Bildung jedoch nicht aufgehört werden. „Digitale Kompetenzen“, definiert von der Europäischen Kommission in ihrem „Digital Competence Framework for Citizens“, umfassen auch Fähigkeiten wie die kritische Bewertung von Daten und die Verwaltung der eigenen digitalen Identität.

Im Rahmen des Onlinestudiums an der SIBE werden zwei Kompetenzeinschätzungsmethoden genutzt. Die KODE®-Einschätzung und das SIBE Competency Assessment Center (SCA) dienen den Studierenden als Leitfaden bei der Analyse und systematischen Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen. Es ist jedoch wichtig, zu wissen, dass dieser Prozess in kleinen Schritten abläuft und daher Engagement und Geduld erforderlich sind.

 

3. Online-Kommunikationsfähigkeiten

In Online-Umgebungen ist eine ungewohnt erscheinende Bandbreite an Fähigkeiten erforderlich um eine gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu gewährleisten. Hinweise, wie Mimik, Stimmlage und Körperpositionen, die in einem persönlichen Gespräch natürlich sind, können in der Onlinekommunikation teilweise wegfallen. Aus diesem Grund ist es essentiell den Fokus auf nonverbale Fertigkeiten zu richten. Hierzu gehört kurzes, prägnantes und auch selbstbewusstes Schreiben. Selbstbewusst meint die Fähigkeit, die eigenen Gefühle angemessen auszudrücken und Probleme, wenn sie auftreten, ohne persönliche Beleidigung anzugehen.

Es ist besonders wichtig, sich bei Schwierigkeiten an das Support-Team der Onlineprogramme zu wenden. Hier spielt es keine Rolle, ob technische Aspekte, die Zeitplanung oder die Abgabe von Aufgaben im Fokus stehen.

 

4. Motivation

Wie von Washull (2005) beschrieben, sind Motivation und Selbstdisziplin einige der stärksten Indikatoren für den Erfolg in Onlinestudiengängen. Ivankova und Stick (2007) zeigen auf, dass der Wunsch, Ziele zu erreichen (Studienabschluss), als starker intrinsischer Motivator wirkt, wenn er mit einer Wertschätzung für Lernen und Eigenverantwortung verbunden wird. Bei der SIBE werden den Studierenden Meilensteine als Motivationshilfe gegeben. Jede Lerneinheit wird innerhalb einer Woche abgeschlossen, sodass der Kontakt zum Studium über den gesamten Verlauf hinweg nicht abbricht.

 

5. Selbstdisziplin und Selbstorganisation

Der Begriffe Selbstdisziplin und Selbstorganisation umfassen die Fähigkeiten, die es ermöglichen, mühelos diszipliniert zu sein, zum Beispiel, indem im Voraus einen Zeitplan erstellt wird und so Entscheidungen möglichst wenig täglichen Stimmungen überlassen werden. Von Vorteil ist es auch, feste Zeiten für das Studium einzuplanen, diese zu notieren und nicht darauf zu warten, dass die Laune zum Lernen einsetzt. Alle notwendigen Materialien können im Voraus heruntergeladen werden und im Rahmen der Studienarbeiten sollte eine ungestörte Atmosphäre geschaffen werden. Bei all der Planung sollten ebenfalls Krankheitstage und unerwartete Ereignisse berücksichtigt werden. Die bisherige Erfahrung mit Onlinestudiengängen an der SIBE zeigt, dass es am besten ist, mit 80% der maximalen Aufwandskapazität zu planen.

Mindestens genauso wichtig wie die Einkalkulierung von Krankheitstagen ist die Planung von Ruhephasen. Diese können als Belohnung dienen und werden in der nächsten stressigen Phase die Motivation heben. Abschließend ist es immer sinnvoll Arbeit aufzuteilen. Täglich kleine Mengen zu lernen, auch wenn es nur 15 Minuten sind, ist besser, als die Arbeit vor sich herzuschieben und dann einen ganzen Tag lang das Material zu studieren. Die Kurse auf den Onlinelernplattformen sollten mindestens 4-5 Mal wöchentlich besucht werden, um den Diskussionen beiwohnen zu können. So wird gewährleistet, dass niemand zurückfällt.

 

6. Kritisches Denken

Kritisches Denken bezieht sich auf eine Reihe von Fähigkeiten,  die kritisches Denken erfordern. Beispiele sind das unmittelbare Treffen von Entscheidungen, sowie das Lesen mit einem gewissen Ziel vor Augen. Letzteres ist Teil des Konzepts „deep reading“, das von Wolf und Barzillai in ihrem Artikel „The Importance of Deep Reading“ (2009) und von Cal Newport in seinem Buch „Deep Work“ (2016) ausführlich beschrieben wird.

Darüber hinaus bezieht sich kritisches Denken nicht nur auf die Verarbeitung von Informationen, sondern auch auf die anschließende Steuerung des eigenen Verhaltens.  Studierende müssen selbst testen, welche Art des Lernens für sie am besten ist. Bewährte Methoden, um Dinge aus dem Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis zu übertragen, sind das reflektierende Schreiben, das in der Regel durch die Diskussion von Studieninhalten in Foren erfolgt, oder das Führen eines Reflexionsprotokolls. Dies kann durch die Erstellung eines Lernportfolios geschehen, das den Studienverlauf dokumentiert. Die Theorie des Konstruktivismus ist der Ansicht, dass der beste Weg, um dauerhaftes Wissen zu erwerben, darin besteht, es mit dem Vorwissen zu verbinden. Um im Onlinestudium erfolgreich zu sein sollten Studierende beim Lesen von Literatur immer fragen was sie bereits über ein Thema wissen und was neu ist.

 

Weiterführende Literatur finden Sie hier.

Mihaela Elsner, M.A.

Instructional Design

M.A./MBA (USA)