„Die große Stärke des SIBE-Studiums ist die Verzahnung von theoretischem Wissen und der Anwendung in der Praxis.“

26. September 2017
Im Gespräch mit SIBE-Alumnus Florian Hobelsberger - Projektgebendes Unternehmen während des Studiums: Wüstenrot Bausparkasse AG, Programm: MBA in General Management

Florian Hobelsberger hat sein Masterstudium an der SIBE bei der Wüstenrot Bausparkasse AG absolviert und ist heute als Manager im Strategy & Business Development bei Viessmann Heating Technology Beijing Co., Ltd. in China tätig.

Erststudium: Wirtschaftswissenschaft
Kurs: WO39
Abschlussjahr: 2010


Lieber Herr Hobelsberger, Sie arbeiten derzeit als „Strategy & Business Development Director“ für ein international aufgestelltes Familienunternehmen in Peking (China). Was sind hier Ihre Aufgaben, bzw. was ist momentan Ihr wichtigstes Projekt?

Meine eigene Kerntätigkeit erstreckt sich primär auf Marktanalysen, strategische Planung, Pricing und Sales-Controlling. Gleichzeitig habe ich eine Schnittstellenfunktion zu unserem deutschen Headquarter inne, treibe operativ strategische Projekte voran und verantworte zusätzlich die Bereiche Produktmanagement und IT.
Die für mich momentan wichtigsten Projekte liegen im Bereich der Digitalisierung, die in unserer gesamten Gruppe weltweit sehr ernst genommen und als Chance für die Zukunft verstanden wird.

Was waren die Gründe für Ihre Entscheidung und was macht es spannend im Ausland zu arbeiten?

Meine erste Erfahrung mit China hatte ich während eines Auslandspraktikums: Als diese Zeit zu Ende ging war mir klar, dass ich gerne noch länger in China bleiben will.

Mangels Sprachkenntnissen und fehlender Berufserfahrung im Anschluss an das Studium gab es jedoch keine interessanten Tätigkeiten für mich.
 Als ich dann 2012 – ca. 2 Jahre nach meinem Studium an der SIBE – die Zusage für ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes bekommen habe, musste ich nicht lange überlegen und habe kurzfristig zugesagt.
So kam ich im Rahmen des Programms „Sprache und Praxis in der V.R. China“ für 1,5 Jahre zurück nach China, habe zwei Semester in Peking die Sprache gelernt und 6 Monate lang ausprobiert ob mir der Berufsalltag hier gefallen könnte. Mit positiven Ausgang, also bin ich auf Jobsuche gegangen und hier geblieben.

Auch nach Jahren in China fasziniert mich die Dynamik, mit der Themen hier im Land vorangetrieben werden und wie rapide alles einem stetigen Wandel unterworfen ist. Sowohl als Unternehmen als auch Mitarbeiter muss man hier sehr anpassungsfähig sein. Für manchen mag das ein unangenehmer Druck sein, ich finde das aber sehr stimulierend.

Und schließlich besteht das Leben nicht nur aus Arbeit. Auch das tägliche Leben bringt eine Menge Herausforderungen, aber auch eine Menge Spaß mit sich. Wer noch nie in China war, aber sich dafür etwas interessiert oder hier mal auf Reise bzw. Dienstreise herkommt, dem kann ich das Buch von Alexander Black empfehlen, der offensichtlich sehr ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie ich: „How to be Chinese – A step by step guide how to survive and enjoy the madness in China„.
Das finde ich beschreibt auf humor- und liebevolle Art, worauf man sich einlässt.

Sie haben während des Master-Studiums in der Finanzdienstleistungsbranche gearbeitet und haben dann in die Industrie gewechselt. Welche wertvollen Erfahrungen haben Sie sowohl als auch gemacht? Und was reizt Sie an Ihrer derzeitigen Tätigkeit?

Im Laufe meines Berufslebens habe ich diverse Branchen kennengelernt: Luftfahrt, Finanzdienstleistungen, Healthcare und jetzt eben Maschinenbau. Auch wenn jede Branche wichtige Spezifika mitbringt, die man kennenlernen muss: Wenn man sich jedoch breit genug aufstellt und etwas über den Tellerrand blickt kommt man auch in unterschiedlichen Branchen gut klar, solange die Bereitschaft da ist immer wieder etwas Neues zu lernen.
In allen Branchen gibt es Funktionen, die sich zu einem gewissen Grad auch von Branchen-Fremden übernehmen lassen.

Kennen Sie die Rede von Steve Jobs, in der er über „Connecting the dots“ spricht? Und dass man nicht vorher erkennen kann, wie sich die Punkte verbinden, sondern erst im Nachgang?
Eines meiner ersten Projekte bei dem Finanzdienstleister war die Unterstützung bei der Einführung einer Softwareplattform namens „eWorld“, für diese Projekttätigkeit wurden sowohl mein damaliger Arbeitgeber als auch ich ausgezeichnet. 
Von diesen Erfahrungen, wie man Anforderungen an eine Software beschreibt, profitiere ich im Rahmen der Digitalisierung noch heute, auch wenn sich u.a. die Methodik von Wasserfall-Projektmanagement zu agilem Projektmanagement geändert hat.

Der besondere Reiz meiner Tätigkeit ist insbesondere die große Bandbreite an Themen und dass sich die Dynamik des chinesischen Markts auch im täglichen Arbeitsleben wiederfindet.

In wie fern profitieren Sie nach wie vor von Ihrem Master-Studium? Und wem würden Sie ein solches Studium besonders empfehlen?

Für mich die große Stärke des Studiums an der SIBE ist es insbesondere die Verzahnung von theoretischem Wissen und der Anwendung in der Praxis. Diesen Transfer hinzubekommen habe ich sicherlich auch mit an der SIBE gelernt, da man nicht nur in theoretischen Fallstudien arbeitet, sondern dort häufig im Unternehmen Projekte vom Konzept bis zur Umsetzung verantwortet. 
Von der Theorie her ist die SIBE sicherlich eher für Nicht-Wirtschaftswissenschaftler geeignet. Als Diplom-Betriebswirt (FH) habe ich relativ wenig neue Theorie gelernt.
 Sowohl der praktische Einsatz von Instrumenten in meinem projektgebenden Unternehmen als auch der Austausch mit meinen Studienkollegen über Herausforderungen in deren Unternehmen waren aber auch für mich Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Für mich stand bereits bei Bewerbung bei der SIBE das Projekt im Vordergrund: 
Wenn das Projekt spannend ist, die eigene Führungskraft stark an einer Entwicklung des Studenten interessiert ist und entsprechend unterstützt, kann ich das Master-Studium ohne Einschränkung empfehlen.

Was sollten Ihrer Meinung nach moderne Führungskräfte aus dem Studium mitnehmen, um gut auf ihre Aufgaben vorbereitet zu sein?

Die fachliche Qualifizierung ist meines Erachtens durch das Studium meistens ziemlich gut: Wir lernen im Studium die Theorie, wie man Probleme in Einzelteile herunterbricht und wie man an diese angehen kann.
 Analytische Fähigkeiten, Komplexitätsreduktion und ganzheitliches Denken werden meistens recht gut herangebildet.
Ich denke die größten Herausforderungen sind bei der eigentlichen Kernaufgabe von Führungskräften: Die Führung. Sich auf verschiedene Persönlichkeitstypen einstellen zu können und so das Team voran zu bringen, das sind wichtige Themenfelder, die sich zwar in der Theorie lernen lassen, aber in der Praxis dann doch immer wieder eine Herausforderung sein können.

 Die meisten Studenten haben keine Führungsverantwortung wenn sie das Thema im Studium behandeln.
Ich glaube es ist eine gute Idee, sich auch als Führungskraft immer wieder Feedback einzuholen und dann mit dem früher erlernten Wissen versuchen, die Entwicklung in die richtige Richtung zu leiten.

Woran erinnern Sie sich gerne, wenn Sie an Ihre Studienzeit an der SIBE zurückdenken?

Auch wenn es sicherlich einige gute Erinnerungen gibt, insbesondere die Auslandsstudie in Brasilien hat bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen.
 Auch einige Vorträge der MBA-Vortragsreihe, die ich zeitweise mit organisiert habe, sind mir im Kopf hängen geblieben.
 Ich profitiere noch heute von den Erfahrungen, die dortige Referenten mit uns geteilt haben, auch wenn ich zu der Zeit des Vortrags beruflich mit dem Thema keine Berührungspunkte hatte.

Inwiefern nutzen Sie nach wie vor das Netzwerk auf dem Studium?

Ich nutze das Netzwerk – auch aufgrund meiner Entfernung zu Deutschland – eher wenig. 
Ich bleibe weiterhin mit der SIBE und auch ehemaligen Studienkollegen im Kontakt, soweit es sich zeitlich einrichten lässt biete ich auch gerne an, dass im Rahmen der Auslandsstudie mein Unternehmen besucht werden kann oder vermittle Kontakte für potenzielle Referenten.

In den Jahren direkt im Anschluss an das Studium habe ich das Netzwerk noch intensiver genutzt – u.a. habe ich für das DAAD-Stipendium Empfehlungsschreiben benötigt, die mir ehemalige Dozenten ausgestellt haben und die bei der Auswahlkommission offensichtlich sehr gut ankamen.
Auch sehr erfreulich: Inzwischen bin ich auch nicht mehr der einzige SIBE-Alumni, der dieses DAAD-Stipendium nutzt bzw. genutzt hat, um den Schritt nach China zu gehen.