Preparing for Leadership – Über den Aufenthalt im Kloster zur achtsamen Führungskraft

29. Mai 2019

SIBE-Alumnus Dr. Andreas Dürr spricht über die Vorbereitung auf eine Position mit Führungsverantwortung

Erstellt von: Nick Lange

Dr.  Andreas Dürr spricht über das Thema „Preparing for Leadership“

„Man muss die Balance zwischen dem ‚Dasein als Kumpel‘ und dem ‚auch mal auf den Tisch hauen können‘ finden“, sagt Dr. Andreas Dürr, SIBE-Alumnus und Head of Connected Vehicle Solutions bei Daimler Financial Services. Nur ein Beispiel, dass er am Abend des 16. Mai 2019 vor mehr als 60 Teilnehmern im Steinbeis House of Management and Technology in Stuttgart gibt, als es um seinen eigenen Führungsstil geht.

In Dr. Dürrs Vortrag geht es jedoch nicht vorwiegend um seine Führung, sondern vor allem darum, wie man sich auf eine Position mit Führungsverantwortung vorbereiten kann. Laut dem Redner sind hierfür fünf Bausteine essentiell. Angefangen beim Charakter, also der Überlegung, wer man als Führungskraft sein möchte, beschreibt Dürr vier Rollen, die eine (angehende) Führungskraft innehaben sollte: der Kommunikator, der Facilitator, der Sinnstifter und der Coach.

„Führung startet bei einem selbst“, sagt er. Aus diesem Grund verbrachte Dürr selbst auch einige Zeit im Kloster – einem Ort, an dem viel über die eigene innere Haltung meditiert wird. Dort besuchte er Seminare zum Thema Führung, welche seinen eigenen Führungsstil auch heute noch beeinflussen. Dieser ist an die benediktinischen Werte: Disziplin, Dankbarkeit und Demut angelehnt. Werte, über die eine Führungskraft es laut Dürr schaffen kann, ihren Mitarbeitern ein positives Umfeld zu bieten. Einer der wichtigsten Faktoren im Arbeitsalltag, denn auch „der geilste Job, mit schlechtem Umfeld, macht nicht glücklich“, sagt Dürr.

Bei all diesen Überlegungen war vor allem noch ein weiterer Gedanke vorherrschend, den der Vortragsredner mit allen Anwesenden teilte: „Die Person, die ihr verkörpert, strahlt nicht nur auf die direkten Mitarbeiter aus, sondern auf das gesamte Umfeld, auch Personen, die ihr nicht kennt“. Aus diesem Grund, so beschreibt Dürr, war es für ihn ein persönliches Anliegen, sich weiterzuentwickeln und einen Führungsstil mit klaren Prinzipien zu erarbeiten. Er spricht von Leadership und nicht von Management.

Manager organisieren, delegieren und haben häufig das Wort, während Leader Fragen, getreu der Philosophie: Wissen spricht, Weisheit hört zu, stellen. Als Kommunikator ist es laut Dr. Andreas Dürr nicht die Aufgabe einer Führungskraft selbst viel zu sagen. Der Fokus sollte eher darauf liegen aktiv zuzuhören, Fragen zu stellen und für eine offene und gute Kommunikation zu sorgen. Dürr sagt, dass sich gute Kommunikation dadurch auszeichnet, dass sie nicht problemorientiert und verwirrend ist, sondern klar strukturiert und nach Lösungen strebend. Neben aktivem Zuhören steht hier die Art des Redens im Vordergrund. „Das Wie man redet ist extrem wichtig“, sagt Dürr. Angehende Führungskräfte sollten sich demnach auch mit ihrer Sprache, d.h. mit dem Umgang ihrer Worte und vor allem Fragen, beschäftigen. Dr. Andreas Dürr bedient sich in Hinblick auf die Kommunikation mit den eigenen Mitarbeitern der Philosophie von Fußballtrainer Jürgen Klopp. Sie besagt, dass man im Umgang mit jedem hinterfragen sollte, „Wie möchte ich gerne behandelt werden?“.

Um die Grundlage für eine offene Kommunikation zu schaffen, muss zunächst eine Verbindung zu den Menschen aufgebaut werden. Diese Verbindung beginnt laut Dürr mit einem Acceptance Point, welcher häufig über das gemeinsame Interesse an einem Thema entsteht. Der Acceptance Point liegt jedoch bei jedem Menschen unterschiedlich hoch. In der Rolle als Facilitator ist es die Aufgabe einer Führungskraft, einen Rahmen zu schaffen, in dem das eigene Team eine gute Arbeit leisten kann, sagt Dürr. Es geht darum, das Beste aus jedem einzelnen Mitarbeiter herauszuholen. Hierzu gehört laut Dürr auch, eine Beziehungsebene zwischen den Mitarbeitern herzustellen, also Personen zusammenzubringen. „Denn wenn das Team sich wohlfühlt, entsteht Team Spirit“, so Dürr.

Genau aus diesem Grund ist es relevant als Führungskraft auch ein Coach für die Mitarbeiter zu sein. „Wieso sollte jemand euch folgen? – Dafür gibt es folgende Gründe: weil sie müssen, weil sie euch mögen, weil ihr gute Leistung bringt, weil ihr sie unterstützt oder, weil sie sich mit dem identifizieren können, was ihr verkörpert“, sagt Dürr. Vor allem die letzten beiden Punkte sieht er als extrem relevant an. Teil eines positiven Umfeldes ist nämlich immer noch auch die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln. Dies sollte eine Führungskraft den eigenen Mitarbeitern ermöglichen und sie dabei unterstützen. Jede Führungskraft sollte außerdem eine klare Vision und eine Mission haben, um dem eigenen Team klar zu machen, wofür sie arbeiten. Dr. Andreas Dürr sieht Führung aus diesen Gründen als Dienstleistung, denn es ist in gewissem Sinne ein Service für andere Menschen. „Führung ist nicht mit einer Position verbunden, sondern damit, welchen Einfluss ihr auf andere habt“, sagt Dürr.

Zum Abschluss seines Vortrages zeigt Dürr den Anwesenden fünf Tipps, für die Vorbereitung auf eine Führungsposition, auf.

  1. Charakter: Beschäftigt euch mit euch selbst und mit eurer persönlichen Entwicklung
  2. Kommunikator: Führt ein 60 Minutengespräch ohne Ablenkung – schenkt einer anderen Person eure Zeit und eure Aufmerksamkeit
  3. Facilitator: Schmeißt eine Party, an die sich die Gäste wegen der Leute erinnern, die sie dort getroffen haben
  4. Sinnstifter: Entwickelt eine Vision und versucht, z.B. eure Mitbewohner oder Freunde zu etwas zu bewegen, worauf sie eigentlich keine Lust haben
  5. Coach: Helft jemandem sich weiterzuentwickeln – fragt nach Problemen und helft der Person daran zu wachsen

In der anschließenden Diskussionsrunde gab es einen regen Austausch zwischen Vortragendem und Teilnehmern. Eines der resonanzreichsten Themen der Abschlussrunde war das Konfliktgespräch als Führungskraft. Auf die Frage, inwiefern eine Führungskraft mit schwierigen Mitarbeitern umgehen kann entgegnete Dürr, dass jedes Gespräch vorurteilsfrei geführt werden sollte. Das eigene Bild sollte nicht mit in das Meeting genommen, sondern stattdessen nach dem Prinzip der Allparteilichkeit gehandelt werden. Dies besagt, dass alle Perspektiven urteilsfrei miteinbezogen werden, um ein Bild von einer Situation zu modellieren.

Für jüngere Führungskraft ist häufig der Umgang mit etablierten Mitarbeitern eine Schwierigkeit, Dürr empfiehlt hier, wie in jedem Umgang mit Mitarbeitern wertschätzend zu agieren und die Erfahrung der Personen anzuerkennen. Um nicht gleich ins kalte Wasser zu springen ermuntert er jungen ambitionierte Nachwuchskräften auf die Größe des Teams zu achten, welches sie bei der ersten Position mit Führungserfahrung, verantworten. Sie sollten nach Dürr die Führung kleinerer Teams in Angriff nehmen, um mit den Mitarbeitern persönliche Gespräche abhalten zu können. In diesen Gesprächen ist es möglich, die Mitarbeiter abzuholen und ihnen vor Augen zu führen, was gemeinsam erreicht werden soll. So wird ein Commitment zur Erreichung der Ziele geschaffen und es entsteht die Möglichkeit den Mitarbeitern Unterstützung zu bieten, sollten Probleme vorherrschen.

Mit Abschluss der regen Diskussionsrunde begann der informelle Teil des Abends, bei dem das Netzwerken im Vordergrund stand.