„Insbesondere mein Wahlpflichtfach Change Management ist für ,schwere Tanker‘, wie es Großkonzerne sind, wichtig.“

9. Mai 2017
Im Gespräch mit SIBE-Student Jan Gröger - Projektgebendes Unternehmen während des Studiums: T-Systems International GmbH, Programm: M.Sc. in International Management

Jan Gröger studiert im Kurs SMM158 an der SIBE, gemeinsam mit dem projektgebenden Unternehmen, der T-Systems International GmbH.

Erststudium: Sozialwissenschaften
Kurs: SMM158
Abschlussjahr: vsl. 2017


Können Sie zu Beginn kurz erläutern, in welchem Unternehmen Sie derzeit arbeiten? Wann haben Sie dort angefangen und was sind Ihre Aufgaben?

Im November 2015 habe ich bei der T-Systems International GmbH angefangen, und zwar im Bereich „Corporate Development“ der Telecommunications (TC) Division. Das Team Corporate Development hat übergreifende Verantwortung für Projekte mit strategischer Bedeutung für die Division selbst als auch für spezielle Programme und Projekte zur Förderung der Zusammenarbeit innerhalb der T-Systems und des Konzerns Deutsche Telekom. Ich selbst unterstütze u. a. bei der Umsetzung und Durchführung zweier Talentförderungsprogramme für unsere Division, von denen ich eines mit konzipiert und implementiert habe. Der Titel dieses Programms ist „Grow@TC“, was zugleich auch mein Projekt im Rahmen des SIBE-Studiums ist.

Im Erststudium haben Sie integrierte Sozialwissenschaften – mit den Fächern Soziologie, Politik- sowie Medien- und Kommunikationswissenschaft – studiert. Wie kam es, dass Sie sich mit diesem Hintergrund für ein berufsintegriertes Management-Studium an der SIBE entschieden haben?

Ich habe eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und mich auch schon während des Bachelorstudiums für Wirtschaftswissenschaften im Zusammenspiel mit Sozialwissenschaften interessiert. Während des Bachelorstudiums habe ich zudem im Rahmen eines Auslandssemesters in den Niederlanden ein wirtschaftswissenschaftliches Nebenfach belegt. Hinzu kamen einige Praktika und Werkstudentenstellen in Wirtschaftsunternehmen während des Bachelorstudiums. Ich wollte noch ein Masterstudium absolvieren und dies unbedingt praxisnah, und da bot mir das SIBE-Studium eine perfekte Möglichkeit.

Inwiefern profitiert Ihr Unternehmen davon, sich nicht für einen klassischen BWLer, sondern für Sie als Sozialwissenschaftler entschieden zu haben?

Ein Sozialwissenschaftler analysiert nicht nur die Gesellschaft, sondern generell das Verhalten von Menschen in (sozialen) Gruppen bzw. Organisationen, wie auch ein Unternehmen eine ist. Ich bin der Meinung, dass ein Sozialwissenschaftler eine Vielzahl von Informationen schnell erfassen und strukturiert darstellen kann. Gerade in einer immer digitaler werdenden Welt ist das eine immer wichtiger werdende Kompetenz. Durch den interdisziplinären Zugang ergeben sich neue Impulse: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein BWLer manchmal einen Tunnelblick hat, während ein Sozialwissenschaftler auch nach links und rechts schaut. Die gesellschaftlich relevanten Themen, mit denen sich ein Sozialwissenschaftler gut auskennt, gewinnen auch in Wirtschaftsunternehmen immer mehr an Bedeutung.

Welche Berufsbilder sehen Sie für Sozialwissenschaftler in der Wirtschaft?

Das sind ganz allgemein alle „softeren” Themen, wo es nicht nur auf Zahlen ankommt, z. B. Organisationsentwicklung, HR (und hier insbesondere HR Development), Corporate Social Responsibility, Diversity, Marketing und PR.

Was macht Ihnen an Ihrem Projekt besonders viel Spaß? Wo liegen Herausforderungen?

Bei meinem Projekt macht es mir Spaß, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Die Förderung von Talenten bzw. Menschen mit Talent ist für mich ein sehr positives und interessantes Thema, denn meiner Meinung nach hat jeder Talente, die es aber zu erkennen und selbst weiterzuentwickeln gilt. Innerhalb der von uns betreuten Talentförderungsprogramme ist dies sehr gut möglich. Mir gefällt auch die enge und gute Zusammenarbeit in bereichsübergreifenden Projektteams, bestehend aus Corporate Development (und damit der „Business-Seite“) sowie Kolleg/innen aus den Bereichen HR und HR Development, und mit dem Management der TC Division. Eine der Herausforderungen ist es, die unterschiedlichen Stakeholder zu orchestrieren. Das ist ja aber bei Projekten in Großkonzernen normal und es macht Spaß, diese Herausforderung zu meistern.

Inwieweit unterstützt Sie das Studium an der SIBE bei Ihrem Projekt? Wo liegt der Mehrwert für Sie und für Ihr Unternehmen?

Im SIBE-Studium, also im Experience Based Curriculum, erlerne ich Projektmanagement und seine Tools und Methoden „von der Pike auf“ und sehr dediziert. Ich kann das Projekt wissenschaftlich durch Projekt- und Transferarbeiten untermauern und aktuelle Forschungsergebnisse mit in die tägliche Arbeit im Unternehmen einfließen lassen. Insbesondere mein Wahlpflichtfach Change Management ist für „schwere Tanker“, wie es Großkonzerne sind, wichtig, da sich diese verstärkt und kontinuierlich verändern müssen, um weiterhin zu bestehen. Die Reflektion und Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen kommt nicht nur mir selbst, sondern auch dem Unternehmen zugute. Zum Beispiel kann man bessere Leistung erbringen, wenn man weiß, was man gut und was man nicht so gut kann.

Würden Sie das Studium anderen Sozial- und Geisteswissenschaftlern empfehlen? Wenn ja, warum?

Ich würde es definitiv empfehlen, da ein interdisziplinärer Blick meines Erachtens immer wichtig und wertvoll ist – für einen selbst und für Unternehmen. Das SIBE-Studium ist eine perfekte Zusatzqualifikation, um einen interessanten Job (nicht nur) in Wirtschaftsunternehmen zu ergreifen. Man sollte keine Vorurteile vor BWLern haben: die sind zwar anders, aber doch ganz nett 😉

Wo sehen Sie Ihren weiteren beruflichen Werdegang?

Ich sehe meinen weiteren beruflichen Werdegang im HR / HR Development Bereich, entweder als Projektmanager oder in einer Expertenposition. Ich könnte mir irgendwann auch eine berufsbegleitende Promotion vorstellen, aber erst mal möchte ich noch ein paar Jahre „nur“ arbeiten und die Früchte des nicht immer einfachen, aber definitiv lohnenden SIBE-Studiums ernten.