„Ich habe mich ganz bewusst für das praxisorientierte SIBE-Studium entschieden.“

Erfolge, Herausforderungen und Niederlagen im Kontext der Digitalen Transformation.

17. Juni 2017
Im Gepräch mit SIBE-Alumna Greta Schnell - Projektgebendes Unternehmen während des Studiums: Boldy Go Industries GmbH, Programm: M.Sc. in International Management

Erststudium: Information Management & Corporate Communications
Kurs: SMM153
Abschlussjahr: 2017


Können Sie zu Beginn kurz erzählen, in welchem Unternehmen Sie derzeit arbeiten? Wann haben Sie dort angefangen und was sind Ihre Aufgaben?

Ich arbeite seit März 2015 bei Boldly Go Industries, einer Innovations- und Technologieberatung im SAP Umfeld mit ca. 50 Mitarbeitern. Ich hatte schon vor Beginn des Studiums ein paar Schnuppermonate, in denen ich Zeit hatte im Unternehmen anzukommen. Ich arbeite dort als Strategie- und Innovationsberaterin. Früher hieß das Unternehmen noch btexx und war eine SAP-Portalberatung. Unser Geschäftsführer hat jedoch früh erkannt, dass Beratungshäuser im Kontext der Digitalen Transformation in Zukunft weitreichender aufgestellt sein müssen, dass man also auch noch weitere Aspekte forcieren sollte. Dahingehend hat die Firma sich dann im September 2015 transformiert und umbenannt. Wir arbeiten branchenunspezifisch, und betreuen Projekte auf allen Ebenen – es kann darum gehen, Interaktionspunkte mit Maschinen für die Mitarbeiter besser zu gestalten oder UPSs für strategische Digitalisierungsinitiativen herauszuarbeiten und ein entsprechendes Konzept technologisch zu realisieren. Mit der Umstellung haben wir auch die Business Units etwas verändert: Unser Angebot umfasst Strategie und Innovation, User Experience, Technology und Data Science.

Der Bereich Strategie und Innovation, in dem ich arbeite, steht am Anfang von Projekten. Mein Daily Business sind insbesondere Kundenprojekte, und ich schaue mit der Innovations- und Strategiebrille, was die digitale Vision des Kunden ist. Wenn wir gemeinsam mit dem Kunde zusammen im Workshop die Vision definiert haben, dann überprüfen wir, ob wir an der richtigen Stelle angesetzt haben oder ob das Symptombekämpfung wäre und wir an ganz anderen Stellen das Projekt ansetzen müssen.

Speziell in meiner Arbeit habe ich Aufgaben extern am Kunden – beispielsweise Workshops durchzuführen und Projektangebote zu erstellen. Auch intern habe ich ein Praxisprojekt. Da geht es darum, wie man als IT-Beratung ein neues Beratungsmodell und neue Beratungsleistungen entwickeln kann, die helfen, Kunden in der digitalen Transformation zu befähigen. Die Frage ist, wie sich eine Beratung neu aufstellen muss, um sich auf diese neuen Bedürfnisse der Kunden einzustellen. Die erste Idee war die Errichtung eines digitalen Inkubators, wo man gemeinsam mit Unternehmen eine Idee entwickeln und experimentieren kann. Das war aber sehr abgekapselt von dem, was die Kunden tatsächlich machen. Es hat sich daher in die Richtung entwickelt, Projekte mit minimum viable products (MVP) durchzuführen. Der Ausgangspunkt sind Initiativen mit konkretem Nutzenpotenzial, z. B. eine Serviceplattform für einen Maschinenhersteller oder Anwendungen zur Schaffung von Transparenz über die unternehmerische Supply Chain. Da haben wir die Möglichkeit, ein ausgewähltes Nutzenpotenzial in 8-12 Wochen und einem überschaubaren Budget als Pilot umzusetzen. Also nicht gleich die komplette und sehr teure Durchführung!

Zusätzlich ging es um die Entwicklung eines Tools des Unternehmens, das das Unternehmen dann befähigt, das zu Ende durchzuführen (also der Roll Out). Damit geht es eher in die Richtung Transformation der eigenen Organisation. Ich habe mich empirisch mit einer Befragung damit auseinandergesetzt, was die Kernherausforderungen sind, wenn es darum geht die Digitale Transformation erfolgreich in die Praxis zu bringen bzw. Unternehmen selbst zu dieser zu befähigen. Ich habe also mein Praxisprojekt und mein Tagesgeschäft, die beide absolut synergetisch sind! Denn es geht darum das, was wir durchdenken, auch an den Markt bringen zu können.

 

Wieso haben Sie sich für ein Projekt im Bereich Digitalisierung entschieden? Was reizt Sie an diesem Thema?

Ich bin schon 2012 in diesen Bereich eingetaucht. Damals habe ich bei der Daimler AG in einer Abteilung gearbeitet, die sich Business Innovation nennt. Und da wurde genau das gemacht: die Entwicklung neuer (digitaler) Geschäftsmöglichkeiten, mit denen man neben dem Kerngeschäft zusätzliche Mehrwerte für Kunden generieren kann. Das hat mich damals schon so sehr begeistert, was es da für disruptive Möglichkeiten gibt (z. B. auch inspiriert durch Amazon oder Uber) und dann zu schauen, wie das zum Beispiel Daimler als traditioneller Autobauer machen kann.

Digitalisierung oder Digitale Transformation sind ja totgeredete Buzzwords. Weshalb es mich trotzdem so reizt, ist weil es immer noch ein Thema ist mit einer riesengroßen Herausforderung. Es gibt immer noch kein Erfolgskonzept. Eine Antwort zu finden, wie man das am besten angeht, motiviert mich extrem in diesem Bereich unterwegs zu sein. Digitalisierung ist bei uns im Unternehmen weit gefasst – das können Projekte im Bereich Internet of Things sein. Beispielsweise ein Maschinenbauer, dessen Maschinen sich nicht mehr gut verkaufen und der seinen Kunden neue Services anbieten muss, aber gar keine Ahnung hat, was man da machen kann. Wir entwickeln gemeinsam mit dem Kunden, was sich daraus für ein Projekt entwickeln kann, und nehmen dabei etwa Plattformen, Sensorik und Data Science zu Hilfe.

Was macht Ihnen an Ihrem Projekt besonders viel Spaß? Wo liegen Herausforderungen?

Was mir total Spaß macht, dass ich das Umfeld habe, das es mir ermöglicht, frei an diesen Themen zu arbeiten. Wie in jedem anderen Unternehmen auch gibt es auch ein paar Restriktionen, aber wenn man eine gute Idee hat, darf man loslegen. Es ist toll, dass ich mich an vielen Punkten in diesem Projekt verwirklichen konnte. Es gibt viele Variablen in der Projektsituation, und das ist Fluch und Segen zugleich. In diesem sehr heterogenen Markt fachlich ein wirklich valides Ergebnis zu produzieren ist eine Herausforderung, und da gibt es immer das Risiko zu scheitern. Aber auf lange Sicht ist das auch eine Chance, da bin ich ein Fan von trial and error.

Inwieweit unterstützt Sie das Studium an der SIBE bei Ihrem Projekt? Wo liegt der Mehrwert für Sie und für Ihr Unternehmen?

Ich habe mich ganz bewusst für das SIBE-Studium entschieden, denn es ist sehr praxisorientiert. Und wenn man selbst ambitioniert ist, aus dieser Praxisorientierung einen Nutzen zu ziehen, dann ist der Mehrwert enorm. Manche Praxisbeispiele in den Seminaren haben mir sehr geholfen, und bei den Projektstudienarbeiten habe ich mich zwangsläufig mit dem Projekt noch intensiver auseinandergesetzt. Dann der Austausch mit den Professoren: Sowohl Business Mentor als auch jeder Dozent, den ich angeschrieben hatte, war bereit sich mit mir auszutauschen und es waren immer bereichernde Gespräche.

Einen besonderen Mehrwert bot das Thema Strategische Planung bei Dr. Mario B. Stephan. Wie gehe ich an Entscheidungen ran, wie verschaffe ich mir ein strategisches Gesamtbild, welche Maßnahmen gibt es, welche davon sind die richtigen für das eigene Vorhaben und wie mache ich das nicht nur nach Lehrbuch, sondern tatsächlich in der Praxis. Das Wahlpflichtfach Innovation and Technology hat mich sehr inspiriert, in dem Professor Daniel Schallmo das Thema Geschäftsmodellinnovation operationalisiert dargestellt hat. Auch das Thema Karriereentwicklung und Persönlichkeit, was ja ein wesentlicher Bestandteil des Studiums ist, und die Studienarbeiten bei Herrn Laqua finde ich wertvoll. Wenn ich Aspekte wie Persönlichkeit und Entwicklung der eigenen Kompetenzen im Studium betrachtet und analysiert habe, gab es jedes Mal einen Aha-Effekt für mich.

Auch für das Unternehmen bietet das Studium viele Vorteile: Es liegen immer sehr viele Themen auf dem Tisch und es gibt sehr viele Stoßrichtungen, und manchmal wird aufgrund von neuen Prioritäten oder einer neuen Situation ein Thema hintangestellt. Dadurch, dass ich immer den Bezugspunkt Universität hatte, wurde das wichtige Thema, das ich als Praxisprojekt hatte, immer aufrechterhalten. Es wäre schwierig gewesen das durchzuziehen, wenn es nicht immer wieder diesen Anker durch das Studium gegeben hätte. Und schließlich fand ich auch den Austausch mit anderen Studenten sehr bereichernd.

Wo sehen Sie Ihren weiteren beruflichen Werdegang?

Es geht mir weniger um einen Weg oder um Stationen, sondern mehr um Erfahrungen, die ich machen möchte. Ich möchte in Zukunft Erfolge, Herausforderungen und Niederlagen im Kontext der Digitalen Transformation haben und mich daran weiter entwickeln. Ich möchte auf jeden Fall in dem Umfeld bleiben, weil es ein noch nicht erobertes Feld ist. Das motiviert mich, in diesem Bereich weiter zu machen.